Kopfbild – Blindenmobile
DAS BLINDENMOBIL – KOSTENLOSER FAHR- UND BEGLEITSERVICE VON A NACH B, HILFE VON A BIS Z

Das Blindenmobil ist ein Fahr- und Begleitservice der ganz besonderen Art: Blinde und hochgradig sehgeschädigte Menschen werden nicht nur von A nach B gefahren, sondern auch in nichtalltäglichen Situationen unterstützt. Sei es bei Behördengängen, Bankgeschäften oder Facharztterminen, beim Ausfüllen von Formularen, Unterzeichnen von Dokumenten oder Zurechtfinden in fremden Gebäuden.

Mit diesem deutschlandweit bisher einmaligen kostenlosen Fahr- und Begleitservice setzen die Blindenfreunde dort an, wo Routine aufhört und Unbekanntes anfängt. So wird eine weitere Versorgungslücke bei der Betreuung blinder und hochgradig sehgeschädigter Menschen geschlossen.

Bisher ist das Blindenmobil in Berlin, Köln, Hannover, Hamburg, Stuttgart, Rhein-Main und drei Mal im Ruhrgebiet im Einsatz. Weitere Großstädte sollen folgen.

Audiobeitrag auf der Website von Detlef Peters »

Bild vom Blindenmobil

Stimmen aus dem Blindenmobil

Fahrer und Fahrgäste unserer Blindenmobile im Interview

Unter dem Titel „Ja wie fährt es sich denn?“ möchten wir einen kleinen Einblick in die Arbeit der Blindenmobile geben und haben dafür Fahrer und Fahrgäste getroffen. Den Anfang machen Jürgen Schröder und Fahrgast Werner Fries.

Fahrer Jürgen Schröder

Herr Schröder, Sie betreuen für die Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde von 1860 e.V. das Blindenmobil im mittleren Ruhrgebiet. Wie sind sie zu dieser Aufgabe gekommen?

"Das hat zunächst mit einer Menge Zufällen, geballt an einem Tag, zu tun. Ich war in der Stadt unterwegs und habe mit dem Hinweis, dass er jetzt weg müsste und keine Zeit mehr hätte, von einem Mann einen 88-jährigen blinden Senior übergeben bekommen. Die Bitte lautete, ihn zu einer bestimmten Straße zu bringen, das habe ich getan. Die zwischenmenschliche Begegnung war sehr nett und freundlich. Als ich  an diesem besagten Tag wieder zu Hause war, fiel mir eine Anzeige der Blindenfreunde in die Hände, die einen Fahrer für das Blindenmobil suchten. Für mich war klar, dass kann kein Zufall sein."

Der Großraum Dorsten, Datteln, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Herne und Bochum, das ist seit drei Jahren ihr Revier mit dem Blindenmobil, Herr Schröder. Welche Erfahrungen haben sie in dieser Zeit gemacht?

"Menschen sind unterschiedlich und so ist das spannende an meiner Tätigkeit, dass ich natürlich sehr viele verschiedene Charaktere und vor allem auch Lebensgeschichten kennenlerne. Viele Fahrgäste begleitete ich immer mal wieder und so entsteht – neben vielen netten und zum Teil sehr persönlichen Gesprächen- über die Zeit auch ein Vertrauensverhältnis. Das finde ich sehr wichtig für beide Seiten und dieses mir entgegengebrachte Vertrauen ist für mich das schönste Dankeschön."

Jürgen Schröder mit Schirmherr Armin Rohde

Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfangszeit und an Ihre ersten Fahrten mit dem Blindenmobil, Herr Schröder?

"Daran erinnere ich mich sehr gut. Zu Beginn habe ich zunächst viele Blindenvereine im mittleren Ruhrgebiet besucht und vom Angebot berichtet. Es war gar nicht so einfach den Menschen glaubhaft zu machen, dass der Fahr- und Begleitservice der Blindenfreunde ein kostenfreies Angebot ist. Viele fragten nach dem Haken an der Sache und legten ihre Skepsis erst nach der ersten Fahrt ab. Der eine oder andere von meinen blinden oder schwer sehgeschädigten Menschen hat schließlich schon einige negative Erfahrungen gemacht, wenn es darum ging, ein Angebot scheinbar kostenfrei nutzen zu können. So dauerte es drei bis vier Monate, bis der Service richtig in Gang kam und seit dem regelmäßig in Anspruch genommen wird."

Fahrgast Werner Fries

Herr Fries, Sie sind seit ihrem 14. Lebensjahr blind und leiten den Blinden und Sehbehindertenverein Nordrhein- Westphalen im Bezirk Bottrop. Was bedeutet der Mobilitätsservice für Sie?

„Der Blindenmobil-Service ist für mich persönlich und für viele Vereinsmitglieder eine unheimliche Unterstützung im Alltag. Anrufen, Termin vereinbaren und dann von Herrn Schröder abgeholt zu werden, einfach großartig! Gerade bei Terminen an unbekannten Orten, bei Facharztbesuchen oder Ämtergängen ist es gut zu wissen, dass man begleitet wird. Das gibt Sicherheit und man kann sich auf das Inhaltliche konzentrieren. Ein echtes Stück Freiheit!“

Herr Fries, Sie kennen die Blindenfreunde schon sehr lange, noch aus einer Zeit vor dem Mobilitätsservice?

„Das ist richtig. Den ersten Kontakt hatte ich als ich 1971 meine Lehre zum Klavierstimmer beendete und die Blindenfreunde die Abschlussfeier unterstützten. Das ist es, was die Blindenfreunde, neben dem Fahrservice, für mich ausmachen. Der Verein ermöglicht Blinden und Sehgeschädigten unkompliziert und ohne große Hürden gesellschaftliche Teilhabe. Ein weiteres Beispiel ist der NRW-Skat-Cup, den ich alle 2 Jahre ausrichte. Hier benötigen wir spezielle Skatkarten, die ohne die Unterstützung der Blindenfreunde bei einem Preis von fast 30,- Euro pro Blatt nicht angeschafft werden könnten.“